IDPET und die Herrenreiter

 

Okay, der Bildungsplan in Baden-Würtenberg wurde so beschlossen, dass es
nun fortan auch offiziell LGBTTI-Lebensweisen geben darf. Das ist toll
und wir sollten es feiern. Denn es ist noch nicht so lange her, dass
Lesben, Schwule, Trans, Intersex mit offizieller Legitimation diskriminiert
und gedemütigt wurden. Ist es überhaupt schon vorbei?

Denn: Es gibt sie noch, die Zwangsoperationen von intersexuellen Kindern,
die alltäglichen Ausgrenzungen von Queers, die Selbstmorde von
LGBTTI-Jugendlichen und -Erwachsenen. Es gibt noch „Schwul“ und „Homo“
als Schimpfwort. Es gibt noch das schwierige Coming-Out von Erwachsenen
und selbst unter den günstigsten Umständen, als erwachsene
selbstständige Frau in einer toleranten Großstadt im einigermassen
homofreundlichen Schland, fällt es mir bei neuen Bekanntschaften immer
noch schwer, gleichberechtigt von „meiner Freundin“ zu sprechen, wenn das
Thema Beziehungen auf den Kneipentisch kommt. Und das kommt es immer,
denn es ist der Moment, in dem die Arbeits- oder Studienbekanntschaft zum
Teil des Privaten wird, ja, in dem die Bekanntschaft die Möglichkeit der
Freundschaft anbietet: Sieh her, ich erzähle dir aus meinem Privatleben.
Und dann steht mann (sic) vor der Wahl: Dieses Angebot höflich umgehen
und fremd bleiben oder das Angebot annehmen und fremd werden.
Und in all diese zugegeben kleinen Momente der Fremdheit kommen sie
dann hinein, die immer lauter werdenden Herrenreiter der Reaktion. Die
Eva-Herrmanns, Sarazzins, Elsässers, die Kelles, und all die unzähligen
IDPET-Unterschreiber, die Evangelikalen und die Demonstranten gegen
Homoehe in Stuttgart. Und sie machen deutlich, dass jeder Fortschritt weiter
umkämpft sein will. Darum liest man sie dann, die Artikel, und guckt sie,
die Sendungen. Man kann sie nicht ignorieren, denn man muss den Mund
aufmachen für eine Gesellschaft, in der der Mensch dem Menschen kein
Feind ist, sondern im besten Fall solidarisch zur Seite steht.

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