U-Turn


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Uturnqueer Soap Opera Teil 1

“Gefühlte Luftfeuchtigkeit: zwei Liter pro Liter”, dachte sich Thies als er missmutig durch sein Zimmer lief. Ein sattes “Plock” ließ seinen Kopf herumfahren und er sah das Plakat vom letzten “Kellerclub” zusammengerollt auf dem Boden liegen.

Er blickte sich weiter um. Die Bücher auf seinem Schreibtisch fingen sich an zu wellen. Er würde sich nicht wundern wenn es bald Tornadowarnungen gäbe. Das Wetter war eindeutig tropisch. Sein Handy klingelte aus weiter Entfernung und er machte sich auf die Suche. Weder im Rucksack noch in der Jacke, weder auf dem Küchentisch noch in der Jeans von gestern. So ein Dreck er hatte Bereitschaft und mußte erreichbar sein. Er hörte genau hin, verfolgte den Ton und fand das dumme Ding auf dem Regal im Klo. Was hatte ihn den dabei bloß geritten. Er rückte auf den Knopf und hörte Heins Stimme.

” Ach du bists……..”
“Na das klingt ja begeistert, soll ich wieder auflegen oder was.”
” Ich kann eben nicht immer begeistert sein, was willst du denn”
“ich wollte mich mit dir für heute abend verabreden”
“Keine Chance ich habe Spätdienst und verdammt schlechte Laune.”
“und wann sehen wir uns dann mal wieder”
“Mach mir jetzt keinen Druck”

Kioto lag in den Armen von Orange und sie ließen sich vom Vormittagsprogramm berieseln. Wiederholungen von Serien die sie schon oft genug gesehen hatten. Wer brauchte eigentlich einen Videorekorder so oft wie alles immer wieder gesendet wurde. Kioto weinte, sie müßte jetzt über ihrer Buchhaltung sitzen und Orange an ihrer Doktorarbeit. Orange streichelte ihr über den Arm

“Brauchst du noch was zu trinken, Sweetie?”
“gerne, Wasser”
“kommt sofort, willst du auch was essen?”
“nein, nie wieder…….”
“ach komm”
Kioto rang sich ein Lächeln ab, ihre Erinnerungen schmißen sie mal wieder Lichtjahre zurück würde das mal bald ein Ende haben?

Thies zog sich ein frisches T- Shirt an und machte sich auf den Weg zum Dienst. Er wusste nicht wie das weitergehen sollte mit ihm und Hein.

ps: uturnqueer war eine queere radiosendung auf fsk in den 90iger Jahren des letzten Jahrtausends


Uturnqueer Soap Opera Teil 2

Es war Sonntag, und Kioto hatte die Samstag Nacht auf einen Geburtstagsparty verbracht. Ihr Kopf dröhnte als sie sich im Bett aufsetzen wollte. Hatte sie wirklich mit Lucia geflirtet? Ein Blick aus ihren sich nur schwerfällig zu engen schlitzen öffnen wollenden Augen, machte sie total fertig, es war schon zwei Uhr nachmittags und eigentlich hätte sie wie immer schon längst über ihren Rechnungen sitzen sollen. Sie tastet mit der Hand im Bett herum Orange war wohl schon aufgestanden.
Aus der Küche kam Geklapper und lautes Stimmengewirr.
Die WG war wohl auch schon aufgestanden. Kioto versuchte es mit einem Bein auf dem Boden. es wurde langsam Herbst und die Luft auf ihren durchs Tanzen extrem strapazierten Muskeln war kühl.
Ein Schluck Wasser würde sicher gegen die allgemeine Benommenheit helfen. Sie stellte den zweiten Fuß auf den Boden und richtete sich langsam auf.
Der Weg in die Küche war sehr lang heute morgen.
Auf dem Sofa saß Thies, neben Bazooka, die gerade die “jungle World” las, auf dem freien Platz zwischen ihnen machte sich die Bild am Sonntag breit. Ladivia schmierte sich ein Brötchen und guckte aus dem Fenster. Der Fernsehturm war nur halb zu sehen, grau senkte sich über die Stadt. Kioto fand das Thies nicht viel besser aussah als sie sich fühlte.
Sie öffnete die Augen mühsam ein wenig mehr, sah in seine und bemerkte, das die knallrot waren. Sah so aus als hätte er sich mal wieder von Hein getrennt.
Thies und ein Hein zwei Wochen glücklich eine Woche Krise eine Woche Schluß zwei Wochen glücklich.
Sie brachte ein gemurmeltes hallo süßer heraus, lies sich auf den Sessel fallen und Thies drückte ihr einen Kaffe in die Hand.
“Wasser..” krächzte sie. Ellen, die sich gerade eine Tasse mit der Aufschrift “BSG- wir schützen” aus dem sechziger Jahre Einbauküchenschrank holte , gab ihr die Flasche rüber.

Thies stand auf und machte das Radio an. “Ist es schon so weit” fragte Kioto.
“noch ne viertelstunde”
ihr Aufwachen hatte also eine dreiviertel stunde gedauert, und sie hatte es noch nicht einmal bemerkt.
“hoffentlich machen sie keine hektische Musik am Anfang”
“Glaub nicht Hein wollte eigentlich mit Soul starten”
” Das ist gut ” gähnte sie.
“warum siehst du eigentlich so fertig aus?”
“wir haben uns getrennt”
“schon wieder?”
“diesmal ist es ernst”
“das ist es jedes mal”
Aus dem Radio erklang die Stimme von Hein
“hallo zuhörende bei dem Wetter dachten wir uns das ein Lied für Leute mit Liebeskummer genau das richtige ist um unsere Sendung zu beginnen”
Thies kullerte eine Träne die Wange hinab und Kioto legte ihre Hand auf seinen Arm.


Uturnqueer Soap Opera Teil 3

Persephone hatte ihren Auftritt in der Bar. Ihr schwarzes Kleid war über und über mit glitzernden Pailletten bestickt und schliff leicht über den Fußboden. Die langen dunklen Dreads fielen ihr bis zu den Hüften.
Sie betrat den Raum Seite an Seite mit Sugar.
Sugar trug einen weißen Anzug mit dazu passendem Hut.
Ihr/sein Hutband war aus dem gleichem Stoff wie Persephone´s Kleid.
Auch hier Pailletten.
Die beiden lächelten und ließen sich an der Bar einen Drink geben bevor Sugar durch elegante Bewegungen mit seinem/ihrem Fächer für Ruhe und Spannung sorgte.
Persephone fing an mit ihrer rauchigen Stimme skurrile Geschichten voller Verschlingungen und treffsicherer Pointen zu erzählen und es dauerte nicht mehr lange bis die ersten lachten. Sie zuckte nicht einmal mit ihren schwarz bemaltem Mund.
Man konnte nie wissen wann die Erzählerin in der richtigen Stimmung war. Es gab Theorien dazu und manche meinten sogar das sie nur im Winter dazu neigte, aber Hein hatte bis jetzt noch keine wirklichen Gesetzmäßigkeiten erkennen können.
Blue legte einen satten langsamen Beat auf der die Dramatik der Geschichten unterstrich.
Hein hörte ihnen zu und liess seine Gedanken schweifen.
Ob Thies wohl kommen würde und wenn ja, was hatte das dann zu bedeuten? Thies wusste das er heute abend Tresen machte.
Und wenn Thies zu ihm zurück wollte würde Hein sich das selbst noch einmal antun wollen? Beim letzten Streit hatten sie sich zwei Stunden angeschrien. Ein Schweigen im Raum lies ihn wieder aufmerksam werden. Applaus kam auf und Persephone verbeugte sich tief. Blue blendete den Beat in ein schnelleres Stück ein und die Leute fingen an zu tanzen.
Hein`s Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Er hatte Thies neben kioto entdeckt. Oh gott was sollte er nur tun, hingehen und den Streit weiter führen? Oder hingehen und Thies unvermittelt küssen?
Vielleicht sollte er ihn auch einfach ignoriern, Das war sicher am besten.
Er konzentrierte sich auf die Gäste die nach Bier schrien, da legte sich eine warme vertraute Hand auf seine Schulter. Thies sah ihm in die Augen und sagte “So kann das nicht weitergehen, ich vermiss dich so sehr das ich nicht mehr rausgehen kann, hast du gleich mal Zeit für mich?”
“Ja, gib mir ne Viertelstunde
Orange erklärte sich bereit die Bar zu übernehmen.

Uturnqueer Soap Opera Teil 4

Orange stand vor der Kasse im Penny. Die Schlange wand sich um eine Regalreihe herum und die Einkaufsmarktleitung hatte kein Einsehen.
Noch zwei Packungen Schokolade und überlegen was sie vergessen haben könnte, ach ja Pasta. Sie würde heute für Kioto kochen. Sie hatten sich schon lange nicht mehr einen ganzen Abend zu zweit gesehen und dabei ausführlich Zeit für einander gehabt.
Orange sah sie schon vor sich über der Pasta mit Broccoli-Sahnesauce
und dann könnten sie endlich mal reden. Ein Wagen stupste sie in den Kniekehlen an, sie fuhr aufgeschreckt herum. Thies grinste
“na, WG- Einkäufe?”
“ja auch aber hauptsächlich bekoche ich heute abend mal meinen Schatz”
“Was soll’s denn geben?”
“Antipasti und dann Pasta….”
“und dann eine kleine Verführung?”
“ähhhm ja wenn es passt”
“Klingt klasse, ich geh heute glaub ich mal in die Sauna meine Freiheit genießen”
Orange schaute ihn mit leichtem Entsetzen an, “und was ist mit Hein?”
“was soll schon mit Hein sein, wir haben Schluss, er ruft nicht an und ich werde diesmal nicht direkt wieder in seine Arme laufen diesmal nicht. Ne heute bin ich mit Fred in der Sauna verabredet und da guck ich mich zumindest mal um.”
Die Leute bewegten sich nach vorne und Orange fragte Thies ob er mal kurz auf ihren Wagen aufpassen könne.
Er machte eine zustimmende Geste und sie rannte nach hinten.
Dort besah sie sich die Auswahl an Nudeln und entschied sich gleich noch mal zum Italiener zu gehen. Durch die Eingangstür kam gerade Hein und Orange dachte ihr Herz bleibe stehen.
Auf der anderen Seite, war ja auch nicht weiter schlimm wenn die beiden aufeinander trafen. Sie waren ja alle erwachsen. Bei dem Gedanken sah sie schon vor sich wie ein Thies eine Packung Sahne über Hein`s ordentlich frisierten schwarzen Haaren ausleerte.
Hein winkte ihr zu sie winkte zurück machte eine Geste das sie es eilig hatte und rannte zu ihrem Wagen zurück. Dort angekommen sah sie das sie schon fast an der Kasse angelangt waren.
“hein ist gerade rein gekommen, wenn du ihn nicht sehen willst kannst du gerne vor ”
“danke, aber das krieg ich schon hin.” Thies sah jetzt deutlich blasser aus…………

Uturnqueer Soap Opera Teil 5

Persephone rief bei Orange an, sie plauderten eine Weile und verabredeten sich dann für einen schnellen Kaffee in der Wohlwillstr, bevor sie beide wieder an ihre Schreibtische mussten.
Persephone um ihre neue Show zu planen und Orange um endlich mal mit ihrer Doktorarbeit weiterzukommen.
Wie es sich für eine ausgewachsene Diva gehörte, kam Persephone zu spät und Orange , las noch ein wenig in der Mopo rum.
Da war ein kurzer Artikel über eine Frau, die eine Allergie gegen die Euro- Münzen hatte. Orange lachte fröhlich vor sich hin. Die wollte sie kennen lernen.
Die Tür ging auf strahlendes Weiß blendete Orange. Persephone hatte eine weißes Kleid an und trug einen Hut der auch auf den Tribünen von Ascot herausstechen würde. Durch die Spiegel, die den Raum optisch vergrößern sollten, vervielfachte sich der Effekt und die Sonne die durch die Scheiben blitzte tat ihr übriges dazu Persephones Ankommen in eine strahlende Show zu verwandeln.
Ein näherer Blick in das Gesicht von Persephone verriet Orange allerdings, das die Diva sich in einem für sie ungewöhnlich aufgewühltem Zustand befand.
Neugierig legte Orange die Zeitung weg, und sah Persephone an.
“hallo mein Liebling wie geht es dir”
“Och danke , gut ich hate gestern einen wunderschönen Abend mit Kioto und jetzt quäl ich mich ein bisschen an meiner dis herum. ”
“Wie geht’s den Kioto?”
” Och die letze Woche ging es ihr ziemlich gut, ich glaube die Talsohle hat sie mal wieder überwunden und wie gesagt der Abend gestern war wundervoll, wir haben schön zusammen gegessen und dann viedeos geguckt”
“So richtiger Pärchenabend?”
“ja, so oft kommt das ja auch nicht vor bei uns und wie geht es eigentlich dir?”
“Ich weiß nicht was ich denken soll”
” Warum , was ist denn passiert?”
“Sugar hat mit Thies geküsst”
“Nein!”
Orange war fassunglos
“Weiß Hein das schon?”
“Ich glaube nicht”
“Oh da will ich nicht dabei sein wenn er das rauskriegt”
” wenn wer was rauskriegt?”
Orange und Persephone drehten sich in Zeitlupentempo um und starrten in das Gesicht von Hein……


Uturnqueer Soap Opera Teil 6

Thies starrte über seinen Becher Tee hinweg auf die Elbe.
Im Dock war ein riesiges weißes Schiff. Es kam von weit her und er wünschte sich weit, weit weg.
Hein wartete angespannt darauf, dass Thies das Schweigen brechen würde, sie trafen sich jetzt zum zweiten Mal nach dem Abend in der Flora als Persephone so schön erzählte hat, dass Hein das Herz geschmolzen und er auf Thies zugegangen war.
Immer noch kamen sie zu keinem Ergebnis, Hein wurde schnell eifersüchtig und Thies fühlte sich dann eingeschränkt. Dafür wollte Thies öfter was mit Hein unternehmen und auch das bekamen sie nicht auf die Reihe.
Er versuchte sich abzulenken und ausnahmsweise mal Geduld zu zeigen. Auch Hein fing an dem Treiben auf dem Fluss Aufmerksamkeit zu schenken. Die kleinen Lotsenboote mochte er am liebsten. Nachdem sie das riesige Containerschiff einrangiert hatten, wurde Hein wieder unruhig und räusperte sich. Thies sah verschreckt auf.

Kioto wartete vor dem Eingang der Billiardhalle auf Orange, Persephone und Sugar. Die Sonne produzierte ein kühles Winterlicht und die Luft war klar. Kioto fühlte sich großartig. Die Neonreklamen auf dem Kiez sahen tagsüber seltsam altbacken aus und sie träumte von Varieteshows und wilden Festen in von Kronleuchtern gekrönten Sälen.
Auf der Höhe von der Davidstr. sah sie die drei ankommen, die Jacken leuchteten über den Kiez.
Sie ging ihnen entgegen.

“Und willst du jetzt wieder mit mir zusammensein oder nicht”
“Ach, Liebling ich bin mir nicht sicher”
“Aber letztens klangst du doch noch anders”
“Vielleicht sollten wir es noch mal probieren, ich mag dich wirklich sehr gerne”
Hein rutschte auf den Stuhl neben Thies und sie fielen sich in die Arme.
Die Kellnerin kam und fragte was sie noch trinken wollten.
Sie entschieden sich lieber zu gehen. Zu Hein ………..

Uturnqueer Soap Opera Teil 7

Es wurde plötzlich dunkler, und Hein fragte Thies, ob er gerade Wahrnehmungsstörung hatte. Der aufkommende Wind schluckte seine Worte und spuckte sie erst Meter weiter vorn wieder aus. Thies brüllte “was?”
” Ach nichts ” Hein war inzwischen selber klar geworden, dass es mit dem schönen Wetter mal wieder vorbei war. Er schaute zu Thies und sah die ersten tropfen auf seiner Kopfhaut bevor er selber merkte dass er naß wurde.
“Scheiße, wollen wir rennen?”
Thies sparte sich die Antwort, reicht Hein die Hand und lief los.
Gott sei dank stand die Ampel auf Grün und bevor der aufkommende Hagel sie schlagen konnte, standen sie in einem der überdachten Brückeneingänge die zu Wasser führten.
Hein schmiegte sich an Thies
“Ich hab Hunger wollen wir ne Fritten essen?”
“Oh ja auf dem Schiff, weißt du noch wie wir damals immer rüber nach Finkenwerder gefahren sind mit der Pommestüte in der Hand.”
“Ich denk da nur an die Möwen, die mir die Pommes geklaut haben, kann mich nicht an eine einzige Portion erinnern, die ich mal in Ruhe gegessen hätte, entweder du oder die blöden Vögel. Möwen und Tauben sind echt das letzte.”
“Du könntest ruhig ein wenig romantischer sein”
“Bei dem Wetter?”
“Wann sonst”
Thies sah Hein in die Augen und Hein schmolz dahin, er würde jetzt keinen Streit über seltsame Romantikvorstellung vom Zaun brechen, wenn Thies das so haben wollte, war es für ihn in Ordnung.
Sie kauften sich ne Pommes und Thies sah, das gerade eine Fähre anlegte. Ohne es auf eine Diskussion ankommen zu lassen, zog er Hein am Ärmel und dirigierte ihn aufs Schiff: bevor Hein sich so recht besinnen konnte, war das Ding auch schon unterwegs.
“Und jetzt? Willst du bei dem Wetter spazierengehen? Romantik hin oder her, ich habe keine Lust auf eine Lungenentzündung.”
Das Schiff schwankte wild auf den Wellen und Hein hielt sich unwillkürlich an Thies starken Schultern fest. Thies umarmte ihn und die Wärme zusammen mit dem delikaten Dufte der französischen Kartoffelspezialität verdrängte jeden Zweifel in Heins zögerlichem Herz.
Es gab einen Ruck als das Schiff in Finkenwerder anlegte. dem Bootsmann gelang es kaum die Rampe auf den Anleger zu setzen. Als die beiden das wackelige Boot verlassen hatten, kam durch heftige Windboe verzerrt die Ansage, das heute keine Schiffe mehr zurück fahren würden.
Hein sah Thies fragend an und der guckte mit blitzenden Augen zurück.

Uturnqueer Soap Opera Teil 8

Kioto rief bei Orange an
“Schatz, kommst du jetzt heute auch in die Vorwerkstr?”
“Klar, hofffentlich machen die Bullen keinen Stress. Von dem Kessel letztens Montag, träume ich immer noch.”
“Ach was, die werden doch bei einem Tuntenwettrennen keine Hundertschaft schicken, geschweige denn tausend Bullen”
Boston ging an Kioto vorbei in die Küche. Sie sah noch ganz schön verschlafen aus. Kein Wunder gestern hatte sie den ganzen Tag an ihren Texten für die nächste Sendung gesessen. Ihre Arbeit an einem Feature über Bauwagenplätze mit einem Schwerpunkt auf dem Lebensgefühl der heutigen Bewohnerinnen nahm sie komplett in ihren Bann. Kioto kuschelte sich näher an die Wand.
“Meinst du das ist eine Beleidigung”
“Auf ne Art schon, aber diesmal bin ich ganz froh darüber, dass sie queers und Frauen nicht so ernst nehmen”
“Wow was ist das denn”
Ladivia reckte ihren Kopf aus dem Bad, und zog langsam ihre Hand nach vorne, mit der sie ein rosanes Prinzessinenkleid festhielt. Kioto machte hektische Gesten in ihre Richtung und legte den Zeigefinger auf den Mund.
“Was ist denn bei dir los Schatz.”
“”Nix, Ladivia hat nur das neue Plakat im Bad gesehen, du weißt schon das mit den Frauen die im Buisnesskostüm gegen die Wand pinkeln. ” Ladivia zog sich taktvoll ins Bad zurück und Kioto verabschiedete sich von Orange um vor den Tuntenwinterspielen noch in Ruhe zu frühstücken. Sie hatte sich mit Persephone, Sugar, Thies und Hein dazu verabredet, als Tuntenimitatorinnen zu kommen. Schließlich nannten sich auch Blessless Didine und Dolly so, da konnten wohl auch sie als bio-frau mal eine Tunte imitieren.
Kioto setzte Kaffee auf und schnappte sich eine alte Morgenpost, in der der Innensenator verkündete, dass dank seiner starken Politik die Demonstrationen für den Erhalt von Bauwagenplätzen und gegen den rechtspopulitistischen Senat mit all seinen Streichungen und seinem Sicherheitswahn bald ein Ende haben würden.
Da hatte er sich aber geschnitten der Gute!
Ladivia kam frisch geduscht in die Küche und fragte ob Kioto noch so einen Fummel hätte, sie würde auch gerne als Tunte gehen und bei den drei Disziplinnen die es auf den Winterspielen gäbe mitlaufen.
Kioto bedauerte.
” Aber zieh doch dein schwarzes Kleid an und geh als Femme, das geht sicher auch”
“Puh ganz schön kalt draussen dafür”
“Ach was. Beim Laufen wird dir schon warm werden”
“Kommen Orange und die anderen auch aufgerüscht?”
“Ja, aber als Dragkings. Sie sind noch ganz begeistert von der Party in Berlin letztes Wochenende. “

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