Kategorie: Uturnqueer

Uturnqueer Soap Opera Teil 8


Kioto rief bei Orange an
„Schatz, kommst du jetzt heute auch in die Vorwerkstr?“
„Klar, hofffentlich machen die Bullen keinen Stress. Von dem Kessel letztens Montag, träume ich immer noch.“
„Ach was, die werden doch bei einem Tuntenwettrennen keine Hundertschaft schicken, geschweige denn tausend Bullen“
Boston ging an Kioto vorbei in die Küche. Sie sah noch ganz schön verschlafen aus. Kein Wunder gestern hatte sie den ganzen Tag an ihren Texten für die nächste Sendung gesessen. Ihre Arbeit an einem Feature über Bauwagenplätze mit einem Schwerpunkt auf dem Lebensgefühl der heutigen Bewohnerinnen nahm sie komplett in ihren Bann. Kioto kuschelte sich näher an die Wand.
„Meinst du das ist eine Beleidigung“
„Auf ne Art schon, aber diesmal bin ich ganz froh darüber, dass sie queers und Frauen nicht so ernst nehmen“
„Wow was ist das denn“
Ladivia reckte ihren Kopf aus dem Bad, und zog langsam ihre Hand nach vorne, mit der sie ein rosanes Prinzessinenkleid festhielt. Kioto machte hektische Gesten in ihre Richtung und legte den Zeigefinger auf den Mund.
„Was ist denn bei dir los Schatz.“
„“Nix, Ladivia hat nur das neue Plakat im Bad gesehen, du weißt schon das mit den Frauen die im Buisnesskostüm gegen die Wand pinkeln. “ Ladivia zog sich taktvoll ins Bad zurück und Kioto verabschiedete sich von Orange um vor den Tuntenwinterspielen noch in Ruhe zu frühstücken. Sie hatte sich mit Persephone, Sugar, Thies und Hein dazu verabredet, als Tuntenimitatorinnen zu kommen. Schließlich nannten sich auch Blessless Didine und Dolly so, da konnten wohl auch sie als bio-frau mal eine Tunte imitieren.
Kioto setzte Kaffee auf und schnappte sich eine alte Morgenpost, in der der Innensenator verkündete, dass dank seiner starken Politik die Demonstrationen für den Erhalt von Bauwagenplätzen und gegen den rechtspopulitistischen Senat mit all seinen Streichungen und seinem Sicherheitswahn bald ein Ende haben würden.
Da hatte er sich aber geschnitten der Gute!
Ladivia kam frisch geduscht in die Küche und fragte ob Kioto noch so einen Fummel hätte, sie würde auch gerne als Tunte gehen und bei den drei Disziplinnen die es auf den Winterspielen gäbe mitlaufen.
Kioto bedauerte.
“ Aber zieh doch dein schwarzes Kleid an und geh als Femme, das geht sicher auch“
„Puh ganz schön kalt draussen dafür“
„Ach was. Beim Laufen wird dir schon warm werden“
„Kommen Orange und die anderen auch aufgerüscht?“
„Ja, aber als Dragkings. Sie sind noch ganz begeistert von der Party in Berlin letztes Wochenende. „

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Uturnqueer Soap Opera Teil 7

Es wurde plötzlich dunkler, und Hein fragte Thies, ob er gerade Wahrnehmungsstörung hatte. Der aufkommende Wind schluckte seine Worte und spuckte sie erst Meter weiter vorn wieder aus. Thies brüllte „was?“
“ Ach nichts “ Hein war inzwischen selber klar geworden, dass es mit dem schönen Wetter mal wieder vorbei war. Er schaute zu Thies und sah die ersten tropfen auf seiner Kopfhaut bevor er selber merkte dass er naß wurde.
„Scheiße, wollen wir rennen?“
Thies sparte sich die Antwort, reicht Hein die Hand und lief los.
Gott sei dank stand die Ampel auf Grün und bevor der aufkommende Hagel sie schlagen konnte, standen sie in einem der überdachten Brückeneingänge die zu Wasser führten.
Hein schmiegte sich an Thies
„Ich hab Hunger wollen wir ne Fritten essen?“
„Oh ja auf dem Schiff, weißt du noch wie wir damals immer rüber nach Finkenwerder gefahren sind mit der Pommestüte in der Hand.“
„Ich denk da nur an die Möwen, die mir die Pommes geklaut haben, kann mich nicht an eine einzige Portion erinnern, die ich mal in Ruhe gegessen hätte, entweder du oder die blöden Vögel. Möwen und Tauben sind echt das letzte.“
„Du könntest ruhig ein wenig romantischer sein“
„Bei dem Wetter?“
„Wann sonst“
Thies sah Hein in die Augen und Hein schmolz dahin, er würde jetzt keinen Streit über seltsame Romantikvorstellung vom Zaun brechen, wenn Thies das so haben wollte, war es für ihn in Ordnung.
Sie kauften sich ne Pommes und Thies sah, das gerade eine Fähre anlegte. Ohne es auf eine Diskussion ankommen zu lassen, zog er Hein am Ärmel und dirigierte ihn aufs Schiff: bevor Hein sich so recht besinnen konnte, war das Ding auch schon unterwegs.
„Und jetzt? Willst du bei dem Wetter spazierengehen? Romantik hin oder her, ich habe keine Lust auf eine Lungenentzündung.“
Das Schiff schwankte wild auf den Wellen und Hein hielt sich unwillkürlich an Thies starken Schultern fest. Thies umarmte ihn und die Wärme zusammen mit dem delikaten Dufte der französischen Kartoffelspezialität verdrängte jeden Zweifel in Heins zögerlichem Herz.
Es gab einen Ruck als das Schiff in Finkenwerder anlegte. dem Bootsmann gelang es kaum die Rampe auf den Anleger zu setzen. Als die beiden das wackelige Boot verlassen hatten, kam durch heftige Windboe verzerrt die Ansage, das heute keine Schiffe mehr zurück fahren würden.
Hein sah Thies fragend an und der guckte mit blitzenden Augen zurück.

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Uturnqueer Soap Opera Teil 6


Thies starrte über seinen Becher Tee hinweg auf die Elbe.
Im Dock war ein riesiges weißes Schiff. Es kam von weit her und er wünschte sich weit, weit weg.
Hein wartete angespannt darauf, dass Thies das Schweigen brechen würde, sie trafen sich jetzt zum zweiten Mal nach dem Abend in der Flora als Persephone so schön erzählte hat, dass Hein das Herz geschmolzen und er auf Thies zugegangen war.
Immer noch kamen sie zu keinem Ergebnis, Hein wurde schnell eifersüchtig und Thies fühlte sich dann eingeschränkt. Dafür wollte Thies öfter was mit Hein unternehmen und auch das bekamen sie nicht auf die Reihe.
Er versuchte sich abzulenken und ausnahmsweise mal Geduld zu zeigen. Auch Hein fing an dem Treiben auf dem Fluss Aufmerksamkeit zu schenken. Die kleinen Lotsenboote mochte er am liebsten. Nachdem sie das riesige Containerschiff einrangiert hatten, wurde Hein wieder unruhig und räusperte sich. Thies sah verschreckt auf.

Kioto wartete vor dem Eingang der Billiardhalle auf Orange, Persephone und Sugar. Die Sonne produzierte ein kühles Winterlicht und die Luft war klar. Kioto fühlte sich großartig. Die Neonreklamen auf dem Kiez sahen tagsüber seltsam altbacken aus und sie träumte von Varieteshows und wilden Festen in von Kronleuchtern gekrönten Sälen.
Auf der Höhe von der Davidstr. sah sie die drei ankommen, die Jacken leuchteten über den Kiez.
Sie ging ihnen entgegen.

„Und willst du jetzt wieder mit mir zusammensein oder nicht“
„Ach, Liebling ich bin mir nicht sicher“
„Aber letztens klangst du doch noch anders“
„Vielleicht sollten wir es noch mal probieren, ich mag dich wirklich sehr gerne“
Hein rutschte auf den Stuhl neben Thies und sie fielen sich in die Arme.
Die Kellnerin kam und fragte was sie noch trinken wollten.
Sie entschieden sich lieber zu gehen. Zu Hein ………..

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