fortsetzung von …
über new york ist eigentlich alles geschrieben worden. ich bin jetzt seit 36 tagen hier; insgesamt verbringe ich 2 monate in der stadt, dem referenz-punkt von stadt, zumindest für die kapitalistische globalisierte welt. angereist mit tausend bildern im kopf, einem koffer voller zitate, filmszenen und projektionen. from town to town möchte ich in dieser bilderkiste stöbern und einzelne davon gegen das licht halten. nicht reiseliteraturtauglich, sondern eher notizenhaft. schnell auf meinem rückweg mit dem zug aus der stadt heraus geschrieben. habe dazu einen stapel gelbe post-it mit, die direkt und vergänglich erinnern. tagesnotitzen, die so lange halten wie sie kleben, ständig überklebt von neuen notitzen.
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20/07 was ich hier so mag, ist: unvermittelt in situationen zu geraten, die deshalb geschehen, weil ich ohne orientierung durch die gegend laufe und in der priviligierten situation bin, mich auch treiben lassen zu können. in chinatown sind wir in eine buddhistische gebetsstätte gelaufen, weil ich dachte, dass das ein laden sei und wurden nett begrüßt. die mönche erholten sich bei wassermelone & getränk von einem 7-tägigen gebet, das gerade zu ende gegangen ist. die gemeinde möchte sich öffnen, erzählt der einzig afroamerikanische mönch und lädt ein, die räume zu betreten. auch in der nebenan liegenden synagoge an der eldridge street, die heute größtenteils ein museum ist, werden wir nett empfangen. obwohl 10 minuten vor schluss, erhalten wir eine kleine exklusivführung und die lichter in der 1887 erbauten, wunderschön restaurierten synagoge gehen für uns noch mal an.
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15/07 denke über meinen konsum in der stadt nach, der mir hier höher getaktet vorkommt. „fastfood“ bekommt hier noch mal eine andere bedeutung. selbst wenn ich in einem restaurant etwas esse, dann wird schneller abgeräumt als ich gucken kann und ich werde nach weiteren wünschen gefragt. verdauen – würde ich gerne sagen, zumindest mein wasser noch austrinken, aber dann liegt da schon die rechnung auf dem tisch. dies ist nicht böse gemeint, sondern eher eine zuvorkommende geste, schließlich ist zeit geld.
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14/07 es ist immer noch drückend heiß in der stadt. ich fahre die letzen tage erst gegen abend rein, um mir gezielt einzelnes anzusehen. wie unterschiedlich die nacht- und die tagseite einer stadt sein kann. nachts erscheint mir nyc derzeit versöhnlicher: keine flimmernde hitze auf dem asphalt, keine rushour, die schritte der menschen sind verlangsamt, fast flanierend. ich laufe nochmal über die brooklyn bridge und sonne mich in dem licht, das aus tausenden quellen kommt. viele büros rund um die wall street sind schwach erleuchtet, bläuliches flackern kommt aus den wohnhäusern und die brückenbeleuchtung ist auch schön antiquiert: new york angenehm runter gedimmt.
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13./07 „großstädte sind für die orte, an dem sich grüppchen um identitäre merkmale bilden, aber keine identität sich so sehr sicher sein kann, dass sie die einzige ist“, schreibt die hausfrau heute. wow, das flasht und löst tausend assoziationsketten über die stadt im allgemeinen und new york im besonderen aus. mir fallen die vielen, vielen tätowierten menschen ein, die ich täglich sehe. im gegensatz zu europa verläuft diese mode jenseits einer bestimmten szene oder eines styles. ist dies der versuch, seine identität für sich zu markieren und zumindest in der wahl des motivs und der stelle des tatoos einzigartig zu sein? wer oder was bin ich im haufen der vielen und was zeichnet mich aus?
3 Antworten auf „post it+++from town to town+IV“