Straßenfest im Schanzenviertel: Und jährlich grüßt das Verbotsgemurmeltier

dank an indymedia für den folgenden bericht:
Alle Jahre wieder werden im Vorfeld des Schanzenfestes gebetsmühlenartige Verbotsrituale aufgeführt. Mittels öffentlicher Androhungen von Maßnahmen gegen Feiernde auf der Straße soll dabei ein „Anmelder“ der traditionellen Veranstaltung gefunden werden. Das dies seit vielen Jahren nicht gelingen mag, hängt mit der politischen Entwicklung der letzten Jahre im Stadtteil zusammen. Der Gentrifizierung, dem Auftreten des Bezirkes, der Polizei als Besatzungsmacht gegen ausgegrenzte Bevölkerungsteile. Aber auch mit der Erfahrung, dass behördliche Auflagenbescheide und Prinzipienreitereien keinen positiven Einfluss auf den Verlauf von Straßenfesten haben. Der selbstbestimmte und unbürokratische Charakter sind Dinge, die dem Schanzenfest seinen heutigen Charme verleihen.

War es letztes Jahr Innensenator Ahlhaus, der so vollmundig wie erfolglos verkündete, es werde kein unangemeldetes Fest stattfinden (statt dessen hatte es aufgrund der polizeilichen Eskalation gleich zwei gegeben) und der Bezirk Altona setzte auf eine so genannte „qualifizierte Duldung“, scheinen Bezirk und Innenbehörde in diesem Jahr die Rollen getauscht zu haben: So hat Bezirksamtsleiter Warnke-Rose über die Presse ein Verbot angedroht. Gleichzeitig scheint in der Innenbehörde die Erkenntnis angekommen zu sein, dass eine Verbotsdiskussion ein Schanzenfest nicht wirklich verhindern kann, sondern lediglich eine Eskalation der Situation herbeiführt. Wir wissen nicht, wie dieses aktuelle Schmierentheater im Sommerloch ausgeht. Offensichtlich ist aber, das es im Kern weder um das Schanzenfest noch um Leute, die auf der Straße feiern geht, sondern um behördeninterne Querelen und Konkurrenzen.

Als Auslöser sehen wir die Kritik von Innensenator Ahlhaus an Bezirksamtsleiter Warnke Rose vom letzten Jahr, welcher sich nun revanchiert und den Ball zurückspielen will. Im Zentrum von Warnke Roses Medienrandale steht dabei nicht ein Verbot des Schanzenfestes, sondern vor allem die Übernahme der Verantwortlichkeit durch den Senat oder die Innenbehörde. Einfach gesagt: Durch die derzeit herbei geredete Eskalation der Ereignisse soll sich die Verantwortung gegenseitig zugeschoben werden. Ein solcher politischer Ausgangspunkt, der nichts mit der Situation der Menschen hier im Stadtteil zu tun hat, ist dabei nichts Neues, sondern prägt seit Jahren die Stadtentwicklungspolitik.

Wie seit über zwanzig Jahren wird das Fest auch in diesem Jahr selbstverständlich stattfinden. Wie immer werden Anwohner_innen Flohmarktstände aufbauen, mehr oder weniger bekannte Bands und Soundsysteme für die musikalische Untermalung sorgen. Politische Initiativen werden sich mit Infoständen und Aktionen beteiligen – zum Thema Recht auf Stadt, zur im November in Hamburg stattfindenden Innenministerkonferenz und gegen eine mögliche Bedrohung der Roten Flora. Der Verlauf des Abends wird dabei wesentlich von der Haltung der Behörden geprägt werden – von zwischenbehördlichen Schaukämpfen im Vorfeld ebenso wie dem Auftreten der Polizei während des Fests.

Wir fordern den Senat und Bezirk auf, im Gegensatz zur Entwicklung der letzten Jahre, auf eine weitere Eskalation der Ereignisse zu verzichten und Wasserwerfer und Polizeieinheiten nicht gegen Besucher_innen des Festes einzusetzen oder in dessen unmittelbarer Nähe aufmarschieren zu lassen.

Alle sind eingeladen, am 4.9. am Straßenfest im Schanzenviertel teilzunehmen und eigene kreative Beiträge vorzubereiten!

Anwohner_innen und Initiativen aus dem Schanzenviertel