Not in our Name – vom politischen Text zur persönlichen Aussage

Ich hielt den Artikel im heutigen Abendblatt, in dem Christoph Twickel als Urheber des Manifests „Not in our Name“ präsentiert wird, eigentlich für einen Scherz. Weil ich es bisher eigentlich als Manifest einer Gruppe gelesen, schaute ich selber nochmal nach und fand die Ankündigung zur Pressekonferenz des Manifests, bei der verschiedene Leute angekündigt wurden – Ted Gaier (Die Goldenen Zitronen), Melissa Logan (Chicks On Speed), Rocko Schamoni und Tino Hanekamp (Uebel & Gefährlich). Moderiert wurde die Pressekonferenz von Christoph Twickel (Journalist).
Das war am 29. Oktober um 12:00 Uhr im Gängeviertel. Knapp einem Monat später ist aus der Gruppe eine Person geworden:

Vor ein paar Wochen hat Twickel, der Journalist und Autor, nicht nur eine E-Mail, sondern viele klingende Sätze geschrieben. Sätze, die so pointiert waren und provozierend und aufsehenerregend, dass sie nach ihrer Internet-Karriere, wo sie von E-Mail-Posteingang zu E-Mail-Posteingang wanderten, im Hamburger Abendblatt und anderen Zeitungen abgedruckt wurden. „Not in our Name“ steht über den Formulierungen. In seiner Kampfschrift wettert Twickel, 43, gebürtiger Düsseldorfer, im Namen der Hamburger Kulturszene gegen eine nur am Profit orientierte Stadtentwicklungspolitik und ein Bild der Stadt als Produkt und Marke, das es zu verkaufen gilt. (…) Wahrscheinlich ist kein Text von Christoph Twickel so oft gelesen worden wie sein Manifest. In dem spricht er von „Territorialkämpfen“, aber eigentlich sieht er ganz friedfertig aus mit seinen grauen Schläfen und den viel gestikulierenden Händen. Twickel, der mit Lebensgefährtin und Tochter in Altona lebt, ist ein eloquenter Denker. Und mittlerweile ein gefragter Mann.

Wie konnte das passieren?

Kleiner Hintergrund zum Namen des Manifests: Der Titel „NION“ ist einem gleichnamigen Projekt aus den USA entlehnt, das von 2002 bis 2008 aktiv war:

Not in Our Name began with the idea that a culture of resistance needed to be created to oppose all of this; that sitting idly by and “letting history take its course over the graves of the nameless” was not an option.


2 Antworten auf „Not in our Name – vom politischen Text zur persönlichen Aussage“


  1. 1 Virginia Craven 24. November 2009 um 16:05 Uhr

    Seltsam, wenn die bürgerliche Technik, Manifeste Einzelpersonen zuzuschreiben, von Linken zum persönlichen Schuldvorwurf gewendet wird.

  2. 2 Virginia Craven 24. November 2009 um 16:09 Uhr

    Finde ich seltsam, wenn die bürgerliche Technik des Abendblatts, Manifeste und Bewegungen zu personalisieren und zu entkollektivieren, in einem linken blog in den Zeugenstand gerufen wird, um dieses Verfahren als Schuldvorwurf an den solcherart Gerahmten zurück zu addressieren.

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