
Gestern fand im Büro der Steg eine Veranstaltung zur Zukunft des Karolinenviertels statt. Eingeladen hatte Ingolf Goritz, der dann auch gleich den Zeitplan der Sanierung erklärte: “ Wir befinden uns jetzt in der letzen Phase der Sanierung….die STEG hat nur bis zum 31.12.2012 einen Vertrag mit der Stadt.“.
Dann geht das Treuhandvermögen wieder in die direkte Obhutschaft der Finanzbehörde. Schon im Mai 2008 listete die Zeiung „Schanze 20357″ die Optionen für die Zeit nach der STEG auf. So geschah es auch gestern Abend wieder:
a) Die Steg verwaltet das Gebiet weiter ,allerdings dann ohne die Auflagen eines Sanierungsgebietes
b) DIe Wohnungen kommen auf den freien Markt.
c) Die SAGA übernimmt die Verwaltung
d) Die BewohnerInnen entwickeln ein Genossenschaftsmodell.
eine weitere Alternative die gestern zur Sprache kam, war die Gründung einer Stiftung, die die Verwaltung des Viertels übernehmen würde.
Bei dem Treuhandvermögen, dass zur Zeit von der STEG im Karolinenviertel verwaltet wird, handelt es sich um 800 Wohnungen und 300 Gewerbeeinheiten. Es geht also um einiges in den nächsten zwei Jahren und es gilt gerade im „bunten“ und innenstadtnahen Karolinenviertel eine Lösung zu finden, die bedeutet, dass sowohl die Wohn- also auch die Gewerbemieten erschwinglich bleiben.
Einer der Teilnehmer der gestrigen Veranstaltung , der laut eigener Aussage seit 19 Jahren Genossenschaftsgründungen betreut , sagte es gäbe zur Zeit eine sehr gute Chance für die Gründung einer Karolinenviertelgenossenschaft und die Übernahme der Verwaltung des Treuhandvermögens.
Nicht zuletzt deswegen, weil die jetzt amtierende SPD seit Jahrzehnten öffentlich für Genossenschaften spricht und sich demensprechend leicht politischer Druck erzeugen liesse, schliessen wir uns dieser Einschätzung an.
Was also muss und kann man tun, wenn man verhindern will, dass sich die Lage im Karolinenviertel nach 2012 für Menschen mit wenig Lust oder Vermögen teuere Mieten zu zahlen massiv verschlechtert? Zunächst einmal kann man informiert an der Genossenschafts- und an der Stiftungsidee weiterarbeiten.
Die Runde von gestern Abend möchte dazu ein Vorbereitungstreffen machen um damit zu beginnen ein genossenschaftliches Modell auszuarbeiten und es dann der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Als gutes Vorbild wurde gestern unter anderem die Falkenriedgenosseschaft vorgestellt.
Hier an dieser Stelle folgt eine Reihe von Links zum zum Genossenschaftsmodell. Wer weiss, vielleicht bekäme man auch noch das „Real-Gelände“ mit in die Verfügungsmasse und könnte dort sowohl für die Nahversorgung als auch für neue preisgünstige Wohnungen als auch für Gewerbeexperimentierflächen sorgen.
Genossenschaft
was ist das?
beim ersten überfliegen des netzes fanden wir drei modelle:
1) die stadtteilgenossenschaft
2) die wohngenossenschaft
3) die mietergenossenschaft
der zentralverband deutscher konsumgenossenschaft definiert genossenschaften wie folgt:
Eine Genossenschaft ist eine selbständige Vereinigung von Personen, die sich auf freiwilliger Basis zusammenschließen, um ihre gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Vorstellungen in einem Unternehmen zu verwirklichen, das ihnen allen gemeinsam gehört und demokratisch geleitet wird.
beim genossenschaftsverband hingegen kann man sich über die rechtliche definition von genosseschaften informieren.
interessante Vorbilder
breslauerstr. in oldenburg: da wurde genau das gemacht, was im karolinenviertel passieren könnte: aus mieterInnen wurden genossInnen in einem langsamen prozess, in dem nicht jede und jeder sofort genossenschaftsanteile kaufen musste. auf technisch heißt das: eine genossenschaft aus dem bestand heraus organisieren.
hamburger wohnungsbaugenossenschaften: webseite von 30 hamburger wohnungsbaugenossenschaften. auf der startseite findet sich eine grafik mit argumenten für genossenschaftliches wohnen.
gute Ideen
falkenriedgenossenschaft: hier kann man unter anderem nachlesen, wie sich die genossenschaft in ihrem alltag organisiert. wir fanden das gut, um wenigstens ungefähr zu wissen, was da an zeitlichem aufwand auf einen zukommen könnte
gängeviertel: das gängeviertel stellt sein genossenschaftsmodell recht ausführlich dar. inklusive der satzung, dem treuhandvertrag und antworten auf häufige fragen wie zum Beispiel „wer soll das bezahlen“. bemerkenswert fanden wir hier, dass ein genossenschaftsanteil beim gängeviertel 500 Euro kostet. wir fanden das relativ bezahlbar.
no-bnq: stellt ein konzept zur freundlichen übernahme des bernhardt-nocht-quartiers vor und es lohnt sich, durch die broschüre zu blättern, da man dort recht viele anregungen für die entwicklung eines viertels von den bewohnerInnen und nutezerInnen her findet.
bund demokratischer wissenschaftlerinnen und wissenschaftler: die haben einen aufsatz mit argumenten dafür, warum es für eine stadt gut ist stadtteilgenossenschaften zu fördern
zentralverband deutscher konsumgenossenschaften(zdk): unterhält eine webseite mit dem titel „genossenschaftsgründung“. dort erfährt man viel über rechtliches und grundsätzliches und erhält auch formulare, die man bei einer gründung gebrauchen kann.
wo man geld herkriegt:
hamburger wohnungsbaukreditanstalt(wk): hier wird förderung für mietergemeinschaften, die eine mietergenossenschaft gründen wollen geboten.
frisch gefunden: in der senatsdrucksache 19/8515 steht, dass die Bürgerschaft den Senat ersucht hat folgendes in Erwägung zu ziehen: „eine Übertragung von Treuhandeigentum aus Sanierungsgebieten vornehmlich an nicht primär gewinnorientierte (öffentliche) Gesellschaften, Stifungen oder (Mieter-) Genossenschaften.“ (Seite 2 Spalte 2 Unterpunkt 2c)
Das klingt ja spannend. Da wäre ich gern dabei gewsesen. Wird irgendwann weiter diskutiert oder sogar geplant und wo wird das bekanntgegeben?
Super Sache! Es wird Zeit, mit vielen Leuten die Zukunft des Karoviertels in die Hand zu nehmen. Genossenschaftliches Wohnen ist eine tolle Idee, finde ich.
Ich schließe mich „tanja“ an. Gibt es Arbeitsgruppen, Organisationen, Stadtteilplena, die sich damit beschäftigen und denen man beiwohnen kann?
Eine Karoviertel-Genossenschaft in dieser Grösse, das klingt doch super, bin dabei.
Das klingt so, als wäre das eigentlich ein toller Weg. Kann man nicht fast sagen: „Nur, wer gerne teuer wohnen will, ist gegen eine Genossenschaft?“ Lasst uns das Joch der STEG abwerfen und die Verwaltung selber bezahlen! Nur, wer eine Verwaltung selbst bezahlt, kann auch selbst entscheiden, wo es hingehen soll.
Nach all den Jahren habe ich die Geduld verloren, mit den Beteiligungsverfahren die Berge zu Sandkörnern zerreden.
hallo zusammen,
bin seit 1988 wohnungs- und gewerbemieterin.
und möchte mich der genossenschaftsidee anschliessen.
anja und suse aka funnyfishdesign – vorwerkstrasse 10
Liebe Leute, ich wohne seit 25ig Jahren im Karoviertel und möchte das auch gerne weiterhin tun. Ein Genossenschaftsmodell wäre genau das Richtige um die Zukunft des Viertels für die jetzigen Bewohner zu sichern. Ich bin auch gerne dabei….
Ich bin sicher, dass der Termin zum nächsten Treffen genau hier zu erfahren ist und dann tatsächlich auch die ersten konkreten Schritte gemacht werden auf dem Weg zur Genossenschaft. Ideen, Vorbilder und Vorarbeiten gibt es ja glücklicherweise reichlich. Und offensichtlich ist das Interesse und der Bedarf der Bewohner/innen im Viertel groß – bei mir auch.
hmm interessante idee,
die ich auch als nichtanwohner verfolgen und
villeicht sogar mit umsetzen werde
danke schätzchen