P R E S S E M I T T E I L U N G
23.2.2011
Die ehemalige Seefahrtsschule in Altona ist knapp vor den Wahlen unter Ausschluss der Öffentlichkeit an Privat verkauft worden. Zum Kaufpreis wurde zwischen den Vertragspartnern Stillschweigen vereinbart. Das Bauhaus-Gebäude der Seefahrtsschule und die gründerzeitliche Villa Conrad werden nun denkmalgeschützt. Zusätzlich entstehen 5500 qm Bruttogeschossfläche Eigentumswohnungen, offensichtlich unzulässigerweise auch auf Grundstücksflächen, die originär zum Elbpark gehören.
Noch im Tummel des Wahlkampfes ging der Verkauf klammheimlich über die Bühne. Die entsprechende Pressemeldung des Senats vom 17.2.2011 (pdf auf www.annaelbe.net) konnte kaum von der Stadtteilöffentlichkeit wahrgenommen werden. Die notarielle Beurkundung ist am 28.2.2011.
Allerdings heißt das weitere zu verkaufende Gebäude nicht „Heine-Villa“, wie in der Senats-Pressemitteilung angekündigt, sondern Villa Conrad, die im Heine-Park steht – was für einige Verwirrung im Vorwege sorgte. Weiß die Stadt Hamburg eigentlich, was sie genau verkaufen will?
Die Initiative anna elbe macht sich seit geraumer Zeit stark für den Erhalt der Seefahrtsschule, aber ebenso für deren kulturelle Nutzung durch die BürgerInnen unserer Stadt. anna elbe begrüßt grundsätzlich die Unterdenkmalsetzung der beiden Gebäude am Elbhang, kritisiert aber zugleich scharf die Privatisierung des öffentlichen Eigentums und die geplante Bebauung von Flächen, die zum öffentlichen Elbpark gehören.
Die Seefahrtsschule stand viele Jahre leer und war zwischenzeitlich vom Abriss bedroht. Es sollte auf dem Grundstück ein Hotel gebaut werden, dann eine Klinik für Betuchte, dann wiederum wollte ein Reeder einen überdimensionierten Glaspalast hoch ziehen. Durch die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit von anna elbe ist es zumindest gelungen, das architekturhistorisch wertvolle Gebäude und auch die Villa Conrad vor abrisswütigen Investoren zu retten.
Der Käufer ist nun eine Gesellschaft um den Architekten Meinhard von Gerkan; der Projektentwickler wird Hamburg Team. Die Seefahrtsschule ist für Gerkans private „Academy for Architectural Culture“ (aac) vorgesehen, die ein Exzellenzstudium schwerpunktmäßig für StudentInnen aus Fernost anbietet. Zudem wird in die oberen Stockwerke eine Designhochschule namens „Brand Academy“ von Shan Fan einziehen, die nach eigenen Aussagen „Markenidentitäten“ produzieren will. Der Stadtteil Altona und seine AnwohnerInnen werden herzlich wenig von der Existenz dieser Elitehochschulen profitieren.
Insgesamt 7900 qm Grundfläche öffentliches Eigentum wurden von der Stadt an die Investorengruppe verkauft. Auf den sog. „Funktionsflächen“ der Seefahrtsschule und des ehemaligen Schiffsimulators sollen nun Eigentumswohnungen in bester Lage entstehen. Das Problem: einige dieser Flächen sind als Park ausgewiesen und dürfen gar nicht bebaut werden. anna elbe fragt: Ist die Umwidmung des Bebauungsplans rechtmäßig?
Und anna elbe fordert:
- Keine Privatisierung der Seefahrtsschule, sondern öffentliche Nutzung durch die BürgerInnen dieser Stadt! In Altona gibt es keinen Ort, wo sich StadtteilbewohnerInnen treffen können, ohne zu konsumieren.
- Keine Änderung des Bebauungsplanes zugunsten von Eigentumswohnungen für Reiche! Erhalt aller Flächen, die zum Elbpark gehören, in öffentlicher Hand – ohne Kompromisse!
- Bekanntmachung des Kaufpreises! Die BürgerInnen Hamburgs haben ein berechtigtes Interesse zu erfahren, zu welchem Preis die Stadt öffentliches Eigentum verkauft!
- Öffentliche Diskussion über den Umgang mit städtischem Eigentum!
- Gesetzt den Fall, dass der Verkauf nicht mehr rückgängig gemacht werden kann: Der Gewinn aus dem Verkauf soll in Altona bleiben! Mit einer Förderung aus diesem kann das Altonaer Museum zu einem attraktiven, bürgernahen und beteiligungsorientierten Forum für Alle werden.
anna elbe – Weitblick für Hamburg
Für den Erhalt der ehemaligen Seefahrtsschule Rainvilleterrasse und ihre öffentliche und kulturelle Nutzung