ist ein kriminalroman aus argentinien, der bei wagenbach 2001 erschienen ist und 2010 in einer neuauflage.
gangster, die einem durch die detaillierten sachlichen beschreibungen ihrer lebensläufe und eigenenheiten ans herz wachsen, obwohl sie nicht gerade die heren lichtgestalten sind, rauben einen geldtransport aus und schießen auf alles was sich ihnen in den weg stellt. ihre flucht endet in uruguay genauer in montevideo, in einer zu einem nachtclub gehörenden wohnung, wo sie von der polizei, die in diesem krimi denkbar viel unangenehmer erscheint als die gangster, belagert werden. neben schönen beschreibungen von buenos aires und montevideo, der nützlichkeit von öffentlichen verkehrsmitteln zum zwecke der unsichtbarkeit und der beklemmungen die wohnungen auslösen können, glänzt der krimi durch folgende szene:
„In einem bestimmten Moment verbreitete sich die Nachricht, dass die Verbrecher fünf Millionen Pesos verbrennen, die vom Überfall auf das Rathaus von San Fernando übrig waren, von wo sie bekanntlich sieben MIllionen migenommen hattten. Sie begannen, Tausend.Peso-Scheine anzuzünden und aus dem Fenster zu werfen. Vom Klappfenster in der Küche segelte der brennende Zaster auf die Straßenkezugun hinunter. Die flammenden Scheine sahen aus wie leuchtende Schmetterlinge.
Ein empörtes Gemurmel gind durch die Menge.
‚Sie verbrennen es‘
‚Sie verbrennen den Zaster‘
Wenn Geld das einzige ist, was einen Mord rechtfertigt, und sie das, was sie getan haben, wegen dem Geld getan haben und wenn sie es jetzt verbrennen, dann haben sie keine Moral, kein Motiv, sie morden für nichts und wieder nichts, aus Lust am Bösen, aus reiner Bosheit, sie sind Mörder von Natur aus, gefühllose unmenschliche Verbrecher. Die empörten Zuschauer stießen entsetzte, haßerfüllte Scherie aus wie einem mittelalterlichen Hexensabbat (so die Zeitungsberichte), sie ertrugen es nicht, dasß man vor ihren Augen annährend fünfhunderttausend Dollar verbrannte in einer Aktion, die die Stadt und das ganze Land in lähmendem Entsetzen bannte und exakt fünfzehn endlose Minuten dauerte, denn soviel Zeit ist nötig, um diese astronomische Summe zu verbrennen, diese Banknoten, die aus Gründen, die sich dem Willen der Behörden entziehen, auf einer Blechplatte vernichtet wurden, die in Uruguay als >>Patona< < bezeichnet wird und beim Grillen zum Wenden der Glut dient. Auf einer solchen Blechplatte verbrannten sie das Geld, und die Polizisten sahen verblüft zu, denn was sollten sie tun gegen Verbrecher, die zu einer solchen Ungeheuerlichkeit fähig sind. Die empörten Menschen dachten unweigerlich an die Notleidenden und Besitzlosen, an die uruguayische Landbevölkerung, die in ärmlichen Verhältnissen lebt, an die Waisenkinder, denen dieses Geld eine bessere Zukunft gesichert hätte. Hätten sie nur eins der Waisenkinder gerettet, würde sie es verdienen, daß man sie leben läßt, diese Kretins, sagte eine Dame, aber sie sind bösartig, gefühllos, diese Bestien, so die Augenzeugen zu den Reportern, und das Fernsehen zeichnetet alles auf und sendete am nächsten Tag immer wieder die Bilder von dem Ritual, dass der Fernsehjournalist Jorge Foister als Akt des Kannibalismus bezeichnete." (Seite 140- 141)
ich musste dabei an „go create resistance“ vor ein paar jahren denken, wo das publikum 10 euro scheine verbrennen durfte und ich das bei der performance irgendwie lächerlich fand, die diskussionen die aber jahre später immer mal wieder darüber recht interessant.
bei georg simmel steht irgendwo in die „großstädte und das geistesleben“ etwas darüber, wie die großstädte dem diktat des geldes unterworfen sind, wie es dabei darum geht zwischen allen dingen immer das herauszufinden, was gleich ist, damit es mittels geld getauscht werden kann. und diese gangster im roman verbrennen einfach die gleichheit und lassen die tauschbarkeit in die luft fliegen.