Presseerklärung:
Glastafeln mit den Namen der im Außenlager Wandsbek inhaftierten Frauen entwendet.
Hamburg, der 10. Mai 2010
Am vergangenen Sonnabend wurde die kleine neue KZ-Gedenkstätte am Ort des ehemaligen
Neuengammer Frauen-Außenlagers Wandsbek in Hamburg in Anwesenheit dreier Überlebender des
Lagers eröffnet. Alle drei Frauen äußerten ihre Rührung und Freude darüber, dass nun würdig an ihre
Haftzeit und das Leiden ihrer Mithäftlinge erinnert werde sowie über die Anwesenheit auch und
gerade jungen Menschen bei der Gedenkfeier. Schüler/innen des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums
arbeiten zur Zeit am Entwurf eines Mahnmals, das die Gedenkstätte im Sommer vervollständigen
wird.
Bestandteil der neu eröffneten Gedenkstätte waren sechs Granitwinkel mit Glastafeln, auf denen 483
der Frauen namentlich benannt und auch 24 Unbekannte erwähnt wurden. Waren vor einigen
Wochen bereits Informationstafeln sowie eine Bank der im Aufbau befindlichen Gedenkstätte mit
Hakenkreuzen beschmiert worden, entdeckten Anwohner heute morgen, dass die sechs Glastafeln
mit den Namen der dort inhaftierten Frauen aufwendig abgeschraubt und gestohlen worden waren.
Zudem waren neu gepflanzte Heckenpflanzen aus der Erde gerissen und liegen gelassen worden.
Neonazistische Schmierereien oder weitere Zerstörungen wurden nicht entdeckt. Die Polizei wurde
sofort eingeschaltet.
Am 31. August 1944 waren hier über 500 Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück – die
meisten von ihnen politische Häftlinge aus Polen, Russland, Slowenien, Belgien, den Niederlanden,
Tschechien und Deutschland – zur Zwangsarbeit ins Außenlager Wandsbek gebracht und in der
Gasmaskenproduktion der Firma Dräger sowie in den letzten Kriegswochen bei Aufräumarbeiten im
zerstörten Hamburg eingesetzt worden.
Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme ist wütend und schockiert über diese erneute Beschädigung
der KZ-Gedenkstätte in Wandsbek innerhalb weniger Wochen und hofft auf ihre schnelle
Wiederherstellung. Den Zerstörer/innen muss eines klar sein: Wir werden nicht nachlassen in
unseren Bemühungen um einen würdigen Gedenkort!
Informationen zum Ermittlungsstand erfahren Sie beim Bezirksamt Wandsbek oder der zuständigen
Polizeidienststelle.
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