Am Dienstag fand ein (weiterer) Termin zum „Gutachterverfahren Alte Rindermarkthalle St. Pauli“ statt – die zweite Veranstaltung nach der großen Auftaktveranstaltung in der Schule Budapester Straße, die den Behördenvertretern offensichtlich nicht so gut gefallen hat. Aus dem groß angekündigten Beteiligungsverfahren scheint mir eine eher interne Veranstlautng und Planung zu werden. Eigentlich woltle ich am Dienstag ab halb 8 vor der Hamburger Messe (Halle A4 / Konferenztrakt, am Fuße des Fernsehturms, Raum „Chicago“, Messeplatz 1) stehn, wohin zu 8 Uhr eingeladen worden war. – „Wir möchten Sie vorab informieren, dass eine Zugangskontrolle durchgeführt werden wird – bitte legen Sie am Eingang Ihren Anmeldebogen vor, den Sie von uns vorab per mail erhalten haben.“ – Ich würde gerne wissen, wer sich weder von der Uhrzeit noch von den Anmeldemodalitäten (vorab Adresse rausrücken, …) hat abschrecken lassen und wer – außer BehördenvertreterInnen – mal eben an einem gewöhnlichen Dienstag den Tag über der Ergebnispräsentation von „Team 1″ bis „Team 6″ beiwohnen kann. Hätte ja auch an einem abend stattfinden können, meine ich.
Mich ärgert, und wenn ich dürber nachdenke, ärgert es mich immer mehr, dass das, was im Hamburger Abendblatt mehrfach als Anwohnerbeteiligungsinteresse seitens der Behörde angekündigt worden ist, zu einer offensichtlich absichtlich internen Veranstaltung wird. Und das in nullkommanichts – von einem Treffen zum nächsten.
Demokratie geht anders. Was ist denn passiert außer dass AnwohnerInnen sich geäußert haben – darüber, dass sie mitplanen möchten, selber palnen und entscheiden möchten, was auf dem jetzt-noch-real-Gelände passiert? Wenn der Beteiligung bei einer Sache, bei der von vornherein Beteiligung gefordert und gewünscht wurde, so dermaßene Steine in den Weg gelegt werden und die Schwelle für die, die sich beteiligen möchten, so hoch gebaut wird, wie mir das in desem Bettiligungsverfahren der Fall zu sein scheint, dann kann ich nur sagen: Nennt es einfach beim nächsten Mal anders, werte PlanerInnen. Stellt Schilder auf: „Hier planen Planer. Hier sagen Planer, wo es lang geht. Hier kann abgenickt werden.“
Ich drehe mich im Kreis, aber: Bei einem Tagesplan, der – wie am Dienstag, vorsieht, dass nach 5 Stunden mit 6 Präsentationen, über deren Inhalt und Urheber nicht mal in der einladungsmail informiert wird, eine Abschlussstunde Diskussion als Beteiligung durchgeht, der hat das Woirt Demokratie irgendwie nicht druchdrungen. So scheint auch der abschließende Satz der einladung : „Wir freuen uns auf eine spannende und konstruktive Veranstaltung mit Ihnen.“ mehr Farce als alles andere.
Dennoch: Falls jemand der Lesenden anwesend war: Ich bin sehr neugierig, wie der Tag vonstatten ging.
1 Antwort auf „Demokratie geht anders“
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Ich habe an der Veranstaltung teilgenommen. Im Saal waren etwa 120 bis 130 Personen. Ein paar wenige Viertelbewohner, ich schätze höchstens 20, aber sicher kann ich das nicht sagen.
Mir ist von einem Sanierungsbeiratsmitglied (Wohlwillstraße) gesagt worden, dass die meisten Besucher der Veranstaltung Lokalpolitiker und Behördenvertreter waren.
Es wurde allen sechs Architektenbüros die Möglichkeit gegeben ihre Entwürfe auf Basis der Machbarkeitsstudie vorzustellen. Jedes Büro sollte zwei Szenarien bearbeiten, einmal unter der Maßgabe des Erhalts der Rindermarkthalle und einmal unter der Maßgabe des Abrisses.
Zuvor wurde von Bodo Hafke (Baudezernent) betont, dass die Music Hall noch nicht beschlossen sei und das Verfahren weiter offen ist.
Dann ging es los: Alle Entwürfe hatten die Music Hall zum Mittelpunkt der Planung gemacht, alle haben einen Supermarkt in ihren Arbeiten aufgenommen. Die meisten Arbeiten sahen Parklösungen in Tiefgaragen vor. Meine folgenden Darstellungen sind nicht vollständig, ich habe in der Hauptsache auf zwei Aspekte der Arbeiten geachtet, zum Einen, die Berücksichtigung der bereits ansässigen Gewerbetreibenden und die Berücksichtigung des Sportbedarfs in den Planungen.
1. André Poitiers –
Erhalt der Halle: „kulturelles Zentrum und Aktionsfläche für die Bürger“
Es wurde der Wegfall des Recyclinghofes eingeplant (wurde später an der Arbeit auch kritisiert, weil der Hof stehen bleiben soll). In die Halle wurde ein städtischer Charakter mit (begrünten) Freiräumen geplant. An den Längsflächen der Halle wurden Terrassenartige Gebäudekomplexe geplant, die zum verweilen einladen sollen.
Abriss der Halle: „Treffpunkt für die Bürger“
Halböffentliche Plätze wurden geplant, die Sport und Freizeitnutzung wurde am Supermarkt geplant, z.B. Sportflächen auf dem Dach.
2. Gibbins -
Erhalt der Halle: „Music Hill – mehr grün“
Rund um die Halle wurde eine große Grünfläche mit zwei Kleinfeld Sportplätzen geplant. Zur Halle hin wurde ein Aufschüttung geplant, so dass das Erdgeschoss der Halle unter die Erde gerutscht ist. Unter diesem Grünen Hügel wurden 370 Parkplätze geplant. Es könnte auch noch eine Parkebene drunter gesetzt werden.
Abriss der Halle: „mehr Stadt“
Die Music Hall wurde zu den Feldstraßensportplätzen hin geplant, der Entwurf sah eine große Sporthalle vor. Es wurde ein sehr großer Gebäudekomplex geplant. Tiefgaragen mit 1000 Stellplätzen wurden angedacht. Auf den Dachflächen der Gebäude auf dem Gelände sollten Menschen Gelände kaufen können um sich dort zu verwirklichen, Wohnungen bauen, Gärten anlegen …
3. Störmer, Murphy and Partners –
Erhalt der Halle: „Identität“
Der Erhalt der Halle wurde als zu kostspielig bewertet, so wurde nur ein Teilerhalt der Halle geplant (das wurde von einem Behördenvertreter später kritisiert, die gestellte Aufgabe mit dem Erhalt sei damit nicht erfüllt). Der Teilerhalt sollte für die Markthalle genutzt werden. Die Music Hall wurde zu den Feldstraßensportplätzen hin geplant. An den Ort der Jet Tankstelle wurde ein 14 geschossiges Gebäude geplant, Wohnungen sollten am Straßenrand entstehen. Für den Büroturm und die Music Hall wurden 650 Parkplätze geplant. Neben einem Gastrobereich am Neuen Kamp wurde ein Bereich für Fitness eingeplant, keine Sporthalle.
Es wurde ein Gemeindezentrum mit Kita, Moschee und Arztpraxis neben den Supermarkt geplant.
Abriss der Halle:
Da habe ich mir leider nicht mehr viel notiert, nur soviel, es wurde eine Markthalle mit Sportmöglichkeiten geplant. Das Gelände sollte eine neue Durchwegung bekommen.
4. de Architekten Cie -
Erhalt der Halle:
Es wurde die Anbindung an das Heiligengeistfeld und Planten un Blohmen aufgemacht. Für die Halle wurde eine Mehrzweckhallenidee vorgestellt. Mit flexiblem Podium (z.B. für Musikveranstaltungen).
Die Planung sah eine Dreiteilung der Halle vor (Parzellierung), in der Mitte die Mehrzweckhalle.
Zur Schule hin wurden drei mehrstöckige Funktionsgebäude am Ende der Halle geplant, dort dann für Büro, Wohnen und ein Hotel.
Es wurde überlegt, den Verkehr über ein Einbahnstraßensystem auf dem Gelände zu führen. Tiefgaragen für 500 Autos wurden auch angedacht.
Abriss der Halle:
Es soll Platz für den Stadtteil geschaffen werden, die Sheds sollen erhalten bleiben (ein riesen Dach über einem offenen Platz) um das gesamte Gelände soll ein Solitärgebäude errichtet werden, lediglich an vier Stellen soll es einen Durchgang geben.
5. Possehn-Voges-Ossenbrügge -
Erhalt der Halle:
Sport- und Freizeiteinrichtungen wurden im ersten Stock geplant, leider zu niedrig für eine Sporthalle.
Abriss der Halle:
Das Gelände wurde mit einer Blockrandbebauung geplant, sah aus wie eine Burg.
6. Code Unique -
Erhalt der Halle:
Fitness, Ballett und Tanzflächen im Obergeschoss.
Abriss der Halle:
Einzelgebäude mit viel Freiflächen zum größten Teil unbespielt. Die Planer weiteten ihre Gedanken in Richtung Feldstraßenbahnhof und Bunker aus (wurde dann auch später kritisiert, dass diese Flächen nicht zur Verfügung stehen). Es wurde noch von der Instalation von Stadtmöbeln gesprochen (z.B. Freiluftbibliothek).
Soweit die Präsentationen.
Danach gab es die Möglichkeit sich insgesamt zu den Vorschlägen zu äußern, Anregungen zu geben und Wünsche los zu werden.
Es kamen Vorschläge wie ein Kino, Platz für das St. Pauli Museum ggf. auch FC St. Pauli Museum, eine Dreifeldsporthalle, eine Musikschule.
Es wurde angesprochen, dass die Vorschläge zur Music Hall alle von einem zu hohen Quadratmeterbedarf ausgegangen sind (es reichen 4000 qm, gerechnet wurde meist mit 7000 qm), Zuweguungen zum Millerntorstadion Gästebereich wurden angesprochen. Es wurde auf die Gewerbetreibenden aufmerksam gemacht, hier insbesondere auf die Autowerkstatt und das Tonstudio, die bei allen Ideen nicht vorkamen. Die Idee Wohnungen dort zu bauen wurde aufgrund des strikten Baurechts für Wohnraum in Hamburg für weitgehend nicht realisierbar eingeschätzt.
Das sogenannte Workshopverfahren hat mit Bürgerbeteiligung nichts zu tun, man muss am Ende gar aufpassen, dass man nicht auch noch als Feigenblatt für vermeintliche Bürgerbeteiligung benutzt wird. Letztlich liefern die Architekten kantige Entwürfe, die bei dieser Art Verfahren durch Fachwissen von Fachleuten und Kenntnisse von Kennern der Umgebung und des Viertels abgerundet werden. Die nächste Veranstaltung findet am 08.06.2010 statt, mal sehen, welche Anegungen, Ideen und Wünsche Eingang in die neuen Entwürfe gefunden haben.