Ein Schloss – mitten in Paris, am Place des Vosges. Bis vor kurzem stand es leeer. Seit 3 Monaten ist es besetzt.
Die Besetzer: „Jeudi Noir“ („Schwarzer Donnerstag“), eine Gruppe von Leuten, die seit 3 Jahren in Paris mit unterschiedlichsten Aktionen auf die krasse Wohnungsnot in der Stadt aufmerksam machen. Eine fantastische Aktion. Stefan Ulrich schreibt in der Süddeutschen Zeitung („Vive la Chance“, 27.1.2010), dass die Räumung vor der Tür steht (- sie ist bereits gerichtlich erwirkt). Er schreibt aber auch von der Begegnung der „Jeudi Noirs“ mit der Besitzerin und von den Reaktionen aus der Nachbarschaft, die einfach nur toll klingen:
„Wir verstehen uns ausgezeichnet mit ihr“, sagt Dubouchet (einer der Besetzer). „Sie ist einmal gekommen und hat drei Stunden mit uns geplaudert.“ Die 87-Jährige, die im Altersheim lebt, habe ihren Vormund ausgetrickst, der unbedingt dabei sein wollte. Sie sei einfach früher gekommen. (…) Der Besuch der alten Dame hat die Hausbesetzer ermutigt. Auch viele der reichen Nachbarn aus dem noblen Viertel haben freundlich reagiert. „Sie brachten Wein und ließen sich von uns das Palais vorführen“, sagt ein anderer Aktivist. Das ist nicht untypisch für Frankreichs Bürger, die viel Verständnis für Protestierer aufbringen, seien es Streikende, Demonstranten oder Arbeiter, die ihre Firmenchefs als Geiseln nehmen. Womöglich hallt in diesen kleinen Revolten die Große Revolution nach.