Das Altona nicht mehr der Arbeiterstadtteil ist, an den noch die Namen Mottenburg für Ottensen und Motte für das Stadtteilkulturzentrum erinnern, weiß man schon, damit hat man sich abgefunden, schließlich hat sich ja auch das Wesen der Arbeit in den Zentren der westlichen Industrieländer kräftig geändert. Und dass es keine massenhafte Verbreitung der Tuberkolose mehr gibt, für die das Wort „Du kriegst die Motten“, also Löcher in den Lungen, stand, ist sogar ein Glück. Das Altona auch nicht mehr das Altona aus Hark Bohms „Yasemin“ ist, der Ort multikultureller Verständigungs- und Aneignungspraxen ist auch bekannt. Auch das Bewußtsein der Altonaer Bürger für die Geschichte „ihres“ Stadtteils hat sich kräftig gewandelt und spätestens seit dem erfolgreichen und unglaublich gut angenommenen Bau des Mercados auf einem ehemaligen jüdischen Friedhofs manifeste Formen des Gedächtnisverlusts angenommen. Das die Mieten dort immer noch steigen, dass die Geschäfte immer boutiqueiger werden, geschenkt, das ist bekannt. Das mit Ikea auch die Große Bergstr. wieder zu pulsierenden Verbindung zwischen Ottensen und St.Pauli gemacht werden soll ist auch hinlänglich durch die Medien gezogen. Dass die Entwicklung der innenstadt und elbnahen Stadtteile zur Perlenkettenbebauung des Elbufers gehört erschließt sich ebenso schnell. In ein paar Jahren kann der geneigte Tourist dann von Blankenese bis zum Hauptbahnhof durchflanieren, mit Milchkaffees an jeder Ecke und durchgängiger Musikbeschallung an den Abenden. Okay. So weit so schlecht, oder gut, wie man es auch sehen will. Aus dem Fokus gerät aber zumindest uns Schreiberlingen dieses Blogs häufig, dass es für Altona noch weitereichendere Pläne gibt, nämlich die Bebauung der Bahngrundstücke vom Altonaer Bahnhof (der zum Diebsteich hin verlegt werden soll) bis hin zu Essig Kühne in Bahrenfeld. Was dieser komplett neue Stadtteil für die alten zur Folge haben wird, scheint gigantisch. Ehemalige Randlagen wie das Gerichtsviertel werden dann zum Zentrum des neuen Stadtkerns. Bahrenfeld vom nahezu Vorort zur neuen Partymeile und so weiter und so fort. Diese Entwicklungen scheinen im Wirbel um Elbphilharmonie, IBA Wilhelmsburg, Hafencity und all den anderen Großprojekten fast unterzugehen, aber das sollten sie nicht. Vielmehr sollten wir Stadtentwicklungsinteressierten uns wirklich die Frage stellen,wie wir leben wollen und wie wir Stadt gestalten können.